Winter im Death Valley

Reisedatum: 22. - 23. März 1995 — Reiseort: Death Valley

Von Bakersfield ins Death Valley
Emily und ich machten uns nach einem ausgiebigen Frühstück im Hodel’s Country Dining am Vormittag auf den Weg von Bakersfield ins Death Valley. Von Bakersfield aus waren es über 260 Meilen in das Tal des Todes. Wir fuhren auf kleineren Nebenstraßen nach Lake Isabella in der Nähe des gleichnamigen Sees. Wir machten einen kurzen Stopp um uns zu erleichtern, und unsere Kühlbox mit neuem Eis aufzufüllen. Dann noch ein paar Coke für die Kühlbox, so dass wir in der Wüste nicht verdursten müssen.

Danach folgt die Route immer bergauf bergab weiter Richtung Osten. Wir passierten eine Schlucht des Kearne Rivers, folgten weiter Richtung Olancha und bogen dann Richtung Bishop ab. Es wurde wärmer aber auch immer windiger. Die Wüste wird immer präsenter und wir konnten am Horizont aufsteigende Sandwolken erkennen. Wir kamen durch Panamint Spring. Das Wort “Ort” oder gar “Ortschaft” spottet hier der Bedeutung, denn außer einem heruntergekommenen Motel und einer Zapfsäule mit horent teurem Sprit gibt es hier nichts außer Steinen und Sand. Dennoch ist der Hamburger, den wir uns im Restaurant des Hotels leisten, hervorragend und passt irgendwie in diese Gegend.

Am frühen Nachmittag erreichen wir dann unser Ziel: Death Valley. Erster Anlaufpunkt war Furnace Creek, zentrale Anlaufstelle im Tal, da hier neben dem Visitor Center und der Furnace Creek Ranch auch ein recht teures Hotel mit Golfplatz, das Furnace Creek Inn steht. Natürlich hatten wir keine 400.- oder 500.- Dollar übrig für eine Nacht, deshalb machten wir uns auch gar keine Gedanken darüber.

Zum Zelten war es Emily zu heiß im Tal. Es waren jetzt so gegen 16:00 Uhr noch über 40 Grad Celsius und es würde in der Nacht auch nicht viel kälter werden, so die Argumente von Emily. Einfach gesagt, Emily mochte Camping nicht, so entschieden wir uns, aus dem Tal zu fahren und außerhalb nach einem Motel zu schauen. Wir hatten aber noch Zeit, so dass wir uns ein paar Highlights im Park noch anschauen wollten. So fuhren wir zunächst zum Artists Drive. Dies ist eine schmale ungeteerte Einbahnstraße von ca 15 km Länge, verboten für Fahrzeuge über 7,70 m. Der Abzweig befindet sich auf der Bad Water Road, ca. zehn Meilen südlich des Furnace Creek Visitor Centers. Die kurvenreiche Schotterpiste führt am Rand der Black Mountains entlang. Der Artists Drive steigt auf die Anhöhe eines Schuttkegels, der durch den Einschnitt eines tiefen Canyons in den Black Mountains entstanden ist. Es ging auf und ab, fast wie in einer Achterbahn, als wir stetig den Kamm des Berges hochfuhren und immer wieder durch Hohlwege kamen, die durch die im Death Valley seltenen aber dann sehr starken flutartige Überschwemmung eingemeißelt wurden. Immer wieder erhaschten wir in der Ferne einen Blick auf die auffallenden weißen salzigen Flächen im Tal.

Fahrt durch das Death Valley
Höhepunkt war die Artists Palette, die hier in den Hügeln der Black Mountains eine beeindruckende Gesteinsformation darstellte. Aufgrund von Oxidation verschiedener Metalle im Gestein der Hänge entstanden faszinierende Farbspiele, die Namensgeber waren. Die Färbung wird durch das Auslaugen des Gesteins aufgrund aufgeheizten Grundwassers in Verbindung mit vulkanischem Staub hervorgerufen. Die einzelnen Färbungen ergeben sich aus den Gesteinselementen: Kupfer hat die grünen Bereiche erzeugt, Mangan die purpurnen und die gelben, roten und rosa Farben sind auf Eisenerz zurück zu führen. Die Intensität der Farben wurde durch die langsam untergehende Sonne noch verstärkt. Emily und ich hielten fast an jeder Biegung an, um die grandiosen Eindrücke in Fotos festzuhalten.

Auf dem Rückweg kamen wir wieder am Visitor Center vorbei und hielten dann auf unserem südöstlichen Weg aus dem Death Valley noch kurz am Zabriskie Point an. Emily hatte den Film von Antonioni aus dem Jahr 1970 gesehen und wollte nun also unbedingt hier anhalten. Zabriskie Point ist ein erhöhter Aussichtspunkt, der einen wunderbaren Blick über eine farbenprächtige, sanft hügelige Landschaft von Gräben und Schlickhügel am Rander der Funeral Mountains gewährt. Auch hier konnten wir wieder in der Ferne die salzige Prärie im Talboden erkennen. Da der Blick noch schöner bei Sonnenaufgang sein soll, beschlossen wir am nächsten morgen bei der Rückfahrt ins Tal hier nochmals zu stoppen. Auf der Weiterfahrt nahmen wir noch kurz den Umweg über den 20 Mule Canyon. Der Canyon ist über die 20 Mule Team Road erreichbar, eine ca. fünf Meilen lange Schotterpiste. Im 20 Mule Canyon gibt es farbenprächtige Felsen, Ödland und trostlose Schlickhügel, die durch die Evaporation eines ehemaligen Sees entstanden sind. Der Name des Weges leitet sich von den Mannschaften von Mauleseln (Mule) ab, die die Wägen zogen, um das abgebaute Borax von den Minen ins Tal zu befördern.

Übernachten in Death Valley Junction
Emily und ich machten uns auf den Weg nach einem Platz zum Übernachten zu suchen. Wir verliesen das Death Valley und fuhren in östlicher Richtung nach Death Valley Junction. Wir wollten eigentlich weiter nach Amargosa Valley. Doch in Death Valley Junction an der Kreuzung der California State Route 190 und der California State Route 127 stand dieses wunderschöne runtergekommene, aber noch immer den Glanz der vergangenen Zeit bewahrende Haus: Das Amargosa Opera House & Hotel. Wir hielten an um es uns anzuschauen und stellten verwundert fest, dass es bewohnt, ja sogar geöffnet war. Wir gingen hinein und fragten, ob noch ein Zimmer frei sei, was bejaht wurde und innerhalb von 10 Minuten hatten wir unsere Unterkunft für die Nacht.

Wir brachten unser Gepäck auf das Zimmer. Das Zimmer war groß und geräumig, hatte ein riesiges Kingsizebett und antike Holzmöbel. Wenn die Einrichtung ein wenig mehr gepflegt gewesen wäre, hätte man es für eine Luxussuite halten können. Aber uns gefiel gerade dieser verblassende Luxus. An den Wänden, die mit dunklen goldverzierten Tapeten geschmückt waren, hingen schwere Ölgemälde. Die Vorhänge waren aus schwerem dunkelrotem Samt. Das Bett hatte ebenfalls einen Baldachin aus dunkelrotem Samt. Der Geruch war muffig aber nicht unangenehm. Uns gefiel es. Wir packten aus, duschten kurz, namen uns jeder eine Dose Bier aus den zwei Sixpacks, die wir unterwegs gekauft hatten und gingen durch unsere Terassentür nach draußen auf die Veranda, die über die ganze Front des Hotels verlief. Das ganze Gebäude hatte die Form eines sehr breiten “U”. In der Mitte war ein Platz aus Schotter und Kies, der bis zur Straße vorne reichte. Es wurde dämmrig und es kamen einige Wolken auf. Der Wind, der schon am Mittag stärker wurde, frischte nun richtig auf und wurde mit der Zeit immer stärker. Wie in einem schlechten Western begann das Hotelschild im Wind zu schaukeln und gab dabei gruselig Quietschlaute von sich. Als dann auch noch ein loser Busch beim Sonnenuntergang durch den Wind über den Platz gefegt wurde, hatten wir eine wunderbare schaurig-romantische Abendstimmung. Wir öffneten gleich noch ein Miller Genuine Draft und ließen bei einem Schluck kaltem Bier die Stimmung auf uns wirken.

Am Morgen zurück zum Zabriskie Point
Am folgenden Morgen machten wir uns sehr früh auf den Weg zurück ins Death Valley. Emily hatte schon am Vortag beschlossen, morgens früh nochmals zum Zabriskie Point zurückzukehren. Wir wollten noch ein paar Fotos in der aufgehenden Sonne schießen, die die Gesteinsformationen in besonders schönes Licht tauchen sollten. Am Parkplatz angekommen, verließen wir das Auto mit unseren Kameras und wunderten uns schon ob der frischen Temperaturen, die ich so im Death Valley noch nicht kannte. Wir zogen unsere Jacken über und suchten die besten Stellen für ein paar Aufnahmen. Bei der zweiten oder dritten Aufnahme spürte ich auf einmal ein bekanntes aber hier nicht erwartetes Gefühl auf meiner Hand. Ich schaute von meiner Kamera auf und sah auf meinem Handrücken eine Schneeflocke schmelzen. Emily hatte schon den Blick Richtung Himmel gerichtet, als ich es ihr nach tat. Erst einzelne, dann immer mehr werdende Schneeflocken segelten langsam Richtung Erde und begannen langsam den Boden um uns rum leicht weiß zu färben. Wir konnten es nicht glauben und machten noch ein paar Fotos, stiegen wieder ins Auto und fuhren ins Tal in die Furnace Creek Ranch zum Frühstücken. Wir oderten Kaffee, Eier, Speck und Kartoffeln und ich nahm noch ein Steak. Wir erzählten der Bedienung von unserem Erlebnis am Zabriskie Point. Sie sah uns verdutzt an und teilte uns mit, dass Sie eigentlich aus New Mexico genauer aus Santa Fe sei und extra über die Wintermonate hierher gekommen sei, um dem “kalten Wetter” (20 – 25 °C) in New Mexico zu entkommen und nun sei hier der kälteste Winter im Death Valley seit Jahren. Wir bedauerten Sie noch und machten uns dann aber über user Frühstück her, da wir schließlich noch ein paar Sehenswürdigkeiten (Bad Water, Sanddünen, Devil’s Golf Course) hier anfahren wollten, um uns dann letztendlich auf den Weg nach Las Vegas zu machen, wo wir die kommende Nacht verbringen wollten.

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Logan Leery’s Reiseberichte

Willkommen bei meinen Reiseberichten.

Ich bin Logan Leery. In den Jahren 1989, 1992, 1995 und 2002 habe ich Reisen in den Südwesten der USA unternommen. Jedesmal eine etwas andere Route und jedesmal mit anderen Personen und jedesmal traf ich andere Menschen und daraus ergaben sich jedesmal andere Anekdoten und Geschichten.

Und genau über diese Geschichten will ich berichten. Ich werde jeden Monat ein bis zwei Anekdoten hier veröffentlichen. Ich würde mich sehr auf Kommentare von euch freuen, oder auf Anekdoten und Geschichten, die ihr vielleicht auf ähnlichen Reisen erlebt habt. Ich bin gespannt darauf.

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Euer Logan

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